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"Es scheint derzeit im Rock ein zügelloses Bedürfnis nach Uniformität zu
bestehen. Nicht nur ähneln sich die Bands untereinander wie die
sprichwörtlichen Eier, man setzt es sich zudem noch zum Ziel, die
einzelnen Songs eines Albums möglichst ohne die geringsten Abweichungen
runterzurotzen, frei nach dem Motto: Abwechslung ist was für Poser!
Dabei war doch gerade Punk ein singlesorientiertes Genre, das alle drei
Minuten und im Takt der sich auf dem Plattenteller die Hand reichenden
Vinylscheiben neu erfunden wurde. BETTIE FORD haben das verstanden: Das
Cover von “League of fools” mag schwarz-weiß sein, die Musik kommt
schon beinahe in Technicolor daher.
Das kann man übrigens schon erkennen, bevor man sich der Musik dieses
Albums widmet, denn wer eine Scheibe mit einem Song namens „Here we
are“ einläutet, in der Folge bekannt gibt, „Still here“ zu sein, um
sich mit dem Südstaatenschunkler „Here we Were“ zu verabschieden, mag
es ohnehin in Sachen Humor ein wenig subtiler als die Konkurrenz. Dabei
braucht sich die Band in Sachen Rock n Roll Glaubwürdigkeit keine
Sorgen zu machen, wie der volle Aschenbecher, die wie ein
Nuckelfläschchen gehaltene Vodkapulle und das Hustler T-Shirt auf dem
Promofoto beweisen – in Sachen Selbstdarstellung standen hier, wie man
unverblümt zugibt, die BACKYARD BABIES Pate. Im Gegensatz zu den
inzwischen an dem berüchtigten Stockholsyndrom, einer gefährlichen Form
der Diabetes (Zuckerkrankheit) leidenden Schweden aber nimmt man diesen
Jungs die gefährliche Attitüde auch wirklich ab, weil es nicht nur was
für die Augen, sondern auch auf die Ohren gibt. „Ordinary“ ist gleich
zu Anfang ein unverblümt offener Gefühlsausbruch, doch „Sonic Foundry
Vegas“ gibt mit knallenden Drums und markigen Sprüchen den Kurs an:
Wenn Sozialisation Zuhause ist, werden BETTIE FORD ewig Reisende
bleiben. Die im ersten Absatz erwähnten Farbspritzer kommen von
poppigen Chören, minimalistischen Gitarrenmelodien und vor allem
erfrischenden Arrangementideen – so nimmt der Greyhound, den man in
„The Day I missed the Bus to Memphis“ verpasst, gegen Ende noch einmal
unerwartet Fahrt auf. Die Produktion von Kurt Ebelhäuser ist trocken,
doch nie staubig und stellt nicht die Egos der Mitglieder, sondern die
Songs in den Mittelpunkt des Geschehens.
Vielleicht mit einer Ausnahme, denn mit Don Ford , dem Mann am Mikro,
hat die Band einen veritablen Ausnahmevokalisten in ihren Reihen, der
quasi das ultimative Negativ zur vorherrschenden Praxis in den Charts
darstellt: Eine „schöne“ (im Sinne von angenehme) Stimme hat er nicht
gerade, doch was kann dieser Kerl singen – bei „Bring me down“ dürfte
sogar MARIAH CAREY ihre liebe Mühe haben. BETTIE FORD mögen in der Liga
der Bekloppten spielen, um ihre Zukunft brauchen sie sich keine Sorgen
zu machen: Den Stern auf dem Walk of Fame tragen sie ja schon im Logo."
geschrieben von "tocafi"

